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Videospiele - Das Kunstmedium des neuen Jahrtausends

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Trau dich
Dec 6 '17 | By Farina
Liebe MitGeeks,


im heutigen Beitrag zur Geek Kultur, beschäftigt sich unser Gründer Matthias mit der Kunst der Videospiele und warum er davon überzeugt ist, dass Games das Kunstmedium des neuen Jahrtausends darstellen. 


Wie steht ihr dazu? Sollen Games der reinen Unterhaltung dienen oder haben sie das Potential für mehr? Wir sind gespannt auf euer Feedback!


Alles Liebe

Eure

Farina


 


„Der Mensch braucht das Spiel als elementare Form der Sinn-Findung” - Grundsatzmodell des Homo Ludens - der spielende Mensch.


Videospiele sind mittlerweile in fast alle gesellschaftlichen Bereiche vorgedrungen und beginnen auch, diese zu dominieren. Dies hat nicht nur kommerzielle Auswirkungen sondern erweckt natürlich auch das Interesse von Kunstschaffenden auf der ganzen Welt. Dank Interaktion, Individualisierung und Selbstständigkeit dieses Mediums entwickelt sich Videospiele-Kultur zur Leit-Kultur, zum Leit-Medium des neuen Jahrtausends. Dieser Blog-Eintrag soll meine Gedanken dazu zeigen, wir freuen uns auf die Diskussion!


Videospiele



Interaktion und Individualisierung



Mit dem Medium “Videospiele” entsteht zum ersten Mal im Kunstbetrieb eine einzigartige Interaktion zwischen Künstler und Konsument. Der Künstler kann den Betrachter aus der Limitierung der reinen “Betrachtung” herausholen und mit seiner Kunst interagieren lassen. So wird diese Kunstform erst durch dieses Zusammenspiel zwischen Künstler und Konsument zur eigentlichen Kunst. Je nach Auslegung des Künstlers, kann so ein Kunstwerk für jeden einzelnen Betrachter zu einer eigenen Kunst werden, es individualisiert die Kunstform für jeden einzelnen Betrachter.


Videospiele sind also kunsthistorisch betrachtet ein einzigartiges Werkzeug für Künstler.


Richtig angewendet sehen wir hier Möglichkeiten der Interaktion, wie sie in traditionellen Kunst-Medien einfach nicht möglich waren.


Ein Maler erschafft sein Gemälde und wir können es mit unseren Augen betrachten, analysieren aber nicht in das Gemälde selbst eingreifen. Wir können weder die Farben ändern noch den Blickwinkel.


Ein Author kann uns mit seinen Romanen in andere Welten entführen und die Abenteuer der Helden nacherzählen und je nach Schreibstil, fühlen wir uns auch richtig “vor Ort” in dieser geschriebenen Welt. Wir können aber nicht die Entscheidungen des Helden beeinflussen, sondern sie nur erlesen und die Auswirkungen miterleben. Das ganze Abenteuer ist vorbestimmt wie auf einemfix vorgegeben Wanderpfad, dessen Wege wir nicht verlassen dürfen.


Ein Musiker kann mit seinen Kompositionen und Live-Konzerten ganz gewissen Gefühle in uns erwecken. Eine Leidenschaft und Passion, die oft nicht beschrieben oder erzählt werden kann sondern nur gefühlt und erlebt. Wir können jedoch nicht den Rhythmus der Musik ändern oder die Instrumente austauschen wenn wir gerade Lust darauf haben. Wir können nur hören und fühlen.


Videospiele geben uns in einem gewissen Rahmen Freiheit. Freiheit die Blickwinkel auf die Kunst jederzeit zu ändern und dadurch neue Erfahrungen zu sammeln. Wir selbst sind der Held, der die Entscheidungen in einem Abenteuer trifft und mit den Konsequenzen umgehen muss, etwas, das uns wiederum einen interaktiven Spiegel über uns selbst vorhält und so zur Reflektion zwingt. Wir lösen uns von dem vorgegebenen Wanderpfad und gehen selbst unseren Weg, erleben unser (!) Abenteuer und erschaffen so unsere eigene Kunst mit der Hilfe der Werkzeuge und Welten der Künstler. Wir ändern den Rhythmus wenn wir die Lust dazu verspüren, wir ändern die Instrumente, wenn wir entscheiden, dass dies besser passen würde.


Wir interagieren mit Kunst und spielen den Ball der Erlebnisse wieder an den Künstler zurück.


Diese Erfahrungsaustausch zwischen Künstler und (selbst zum Künstler transformierten) Betrachter ist eine nie dagewesen Symbiose im Kunstbetriebe der zu wunderbaren Erlebnissen und Erkenntnissen führt. Eine historische Chance, die uns Technik und Entwicklung hier gibt, mit dem Potential, zur Leitkultur des neuen Jahrtausends zu werden.


Waren wir technisch am Beginn der Videospiele (ca. 1980er Jahre) noch etwas limitiert in diesem Austausch, haben wir nun einen Fortschritt in den letzten Jahre erzielt, der diese Interaktion immer mehr erleichtert und auch beschleunigt. Der schnelle Austausch dank Internet und die Interaktion mit Millionen anderen Spielern in denselben virtuellen Welten zeigen jetzt ihr Potential für den Kunstbetrieb.



Interaktion und Individualisierung



Selbstständigkeit und Freiheit



Kunst möchte “erlebt” werden. In diesem Wort allein steckt schon das starke, menschliche Bedürfnis teilzuhaben. Dank der Videospiele-Kunst muss ich nicht mehr in das Museum oder auf ein Konzert, um gewisse Kunst zu erleben. Ich kann es direkt von der Gemütlichkeit eines Zuhause erleben, oder auf einem kleinen Bildschirm unterwegs wenn ich das möchte. 


Kunst befreit sich von seinen Fesseln, die es stationär an einen Ort oder an einen Künstler bindet, man denke nur an den "Befreiungsschlag" des Buchdruckes oder der Musik mit der Technik der Ton-Aufzeichnung und -Wiedergabe. Wir entscheiden, wann, ob und wie wir mit der Kunst interagieren. Kunst kann immer und überall stattfinden.


Wir mussten nicht mehr auf ein Konzert gehen oder Musiker engagieren um Musik zu erleben, wir mussten nicht mehr ins Theater oder Oper, um darstellende Kunst zu betrachten, sondern konnten das über TV und Plattenspieler genießen. Wann und wo wir wollten. 

Videospiele mit ihrer Medien durchdringenden Gewalt fördern dieses Selbständigkeit auf ganz neuen Ebenen. Computer, Smartphones, Smartwatches, Konsolen - ständig erreichbare Systeme die uns Kunst in neuer Form ermöglichen. 



Wir haben also eine nie dagewesene Interaktion und Integration im Kunstbetrieb, einen Orts- und Personen-unabhängigen Konsum dieser Kunst und eine daraus resultierende, überwältigende Immersion der Kunst.



Immersion


Immersion



Waren wir bis jetzt bei dem Thema Immersion auf Bildschirme und Controller (Maus, Tastatur, Joystick) beschränkt, um in der Kunst zu agieren, bricht mit demThema Virtual Reality eine ganz neue Ära an


Seit Anfang der 90er arbeitet die Videospiele Industrie daran, aber jetzt erst scheint endlich die Zeit dazu gekommen zu sein.

Wir sind nun “in” der Kunst angekommen, wir sind “im” Gemälde”, wir sind das Instrument und der Rhythmus, wir entscheiden, welchen Wanderpfad wir nehmen und welche Entscheidungen wir treffen.


Die Technologie hat es uns ermöglicht, jetzt kann die Kunst ihr wahres Potential entfalten und individuelle, interaktive Kunst für jeden erschaffen.

Der Mensch wollte schon immer spielen und wird auch immer spielen wollen, Schiller hat das etwas schöner formuliert:


„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.


Die Möglichkeiten sind endlos. Ich freue mich darauf.

 










(Dieser Beitrag erschien zuerst auf Geek Kultur - unser Schwesterblog)

Comments:

Pippel_Irual
Dec 6 '17
Dazu vielleicht auch noch einen kleinen eigenen Erfahrungsbericht: Die Technik verhilft ja jetzt nicht nur den Computerspielen zur "Kunstform", sondern ermöglicht auch anderen Bereichen neue Wege. Ich denke da z. B. gerade an meine Universität hier (Innsbruck / Architektur). Hier haben wir auch ein Institut, welches sich vornehmlich mit Raumatmosphären und dergleichen beschäftigt. Da gibt es auch einen Kurs, welcher mittlerweile die Technik (Virtual Reality) aufgreift um daraus neue Raumsituationen zu generieren, zu simulieren und letztlich zu evaluieren. Also diesbezüglich ist das für uns auch ganz hilfreich. ^^Dazu vielleicht auch noch einen kleinen eigenen Erfahrungsbericht: Die Technik verhilft ja jetzt nicht nur den Computerspielen zur "Kunstform", sondern ermöglicht auch anderen Bereichen neue...See more
Matthias Admin
Dec 7 '17
@Pippel_Irual: Danke für das Lob! Da ich selbst meine Diplomarbeit damals an der Uni Wien über MMOs geschrieben hab (lange ist es her) bin ich ganz fest davon überzeugt, dass der Boom in den Game Studies noch weiter gehen wird. Es gibt total viele spannenden Themen, die schon aufgearbeitet wurden oder noch analysiert werden. Der Beitrag hier hat sicherlich keinen akademischen Anspruch, er zeigt mehr so meine generelle Einstellung dazu :o)@Pippel_Irual: Danke für das Lob! Da ich selbst meine Diplomarbeit damals an der Uni Wien über MMOs geschrieben hab (lange ist es her) bin ich ganz fest davon überzeugt, dass der Boom in den Game Stud...See more
Farina Admin
Dec 7 '17
@Link_92: Sehr schön geschrieben und bei den Gaming Quotes muss ich mich mit meinem Liebling anschließen, ist hoffentlich vielen hier bekannt:
Pippel_Irual
Dec 7 '17
@Matthias: bitte gerne. ;) Finde ich cool, dass du sogar deine Diplomarbeit in dem Bereich geschrieben hast. Beeindruckend. :D Aber ja, es gibt einfach so viel zu lernen und zu entdecken. ^^ Trotzdem finde ich, könnte man diesen Beitrag auch gut und gerne als Einleitung für eine tiefergehende Arbeit hernehmen. ;)@Matthias: bitte gerne. ;) Finde ich cool, dass du sogar deine Diplomarbeit in dem Bereich geschrieben hast. Beeindruckend. :D Aber ja, es gibt einfach so viel zu lernen und zu entdecken. ^^ Trotzdem ...See more
Matthias Admin
Dec 8 '17
@Pippel_Irual: Vielleicht hau ich dazu nochmal in die Tasten :) Bald kommt mir das (neue) PS VR Set ins Haus, ich denke mal, in Sachen Immersion gibt es dann wieder viel nachzudenken bzw. zu schreiben! :o)
Pippel_Irual
Dec 8 '17
@Matthias: Sehr schön! Dann viel Spaß damit. ;) Ich denke mal, wir würden uns hier sicher auch alle freuen, dann wieder etwas entsprechendes von dir zu lesen. ^^
SchwarzerRitter
Dec 12 '17
Finde es richtig, dass Games offiziell als Kulturgut anerkannt werden. Jedoch ist es in den Köpfen von "Otto Normalbürger" und "Staat" noch nicht angekommen. Das sieht man an der schlechten Games-Förderung (im Vergleich zur Filmförderung) und der daraus reslutierten schwachen Games-Entwickler-Landschaft in Deutschland. Das muss sich ändern!Finde es richtig, dass Games offiziell als Kulturgut anerkannt werden. Jedoch ist es in den Köpfen von "Otto Normalbürger" und "Staat" noch nicht angekommen. Das sieht man an der s...See more
Farina Admin
Dec 12 '17
Das mit der Games-Förderung ist glaub ich auch noch ein eigenes Thema! Stimme aber schon mal zu, die Zahlen sind echt arm für den deutschsprachigen Raum (mit ein paar löblichen Ausnahmen wie Piranha Bytes oder Crytek)
Tintentupf
Dec 26 '17
Der erste gelesene Artikel hier... :) Und der ist richtig gut. Vor einiger Zeit schon habe ich mal eine Diskussionssendung der öffentlich-rechtlichen gesehen, in denen Fabian Siegismund (glaube ich) sich zum Gefährdungspotential von Videospielen äußerte und auch darauf hinwies, dass gerade so ein immenser "Brocken" im Unterhaltungssektor sehr wohl als Kulturgut angesehen werden sollte.
Und ja, auch ich finde, dass das so ist. Vielfach hört man ja heutzutage, dass gerade die Interaktivität ein Faktor gegen das Kulturgut sei. Weil es ständig im Wandel sei, von jedem anders zu verstehen.
Wenn man aber mal in den Deutschunterricht geht und sich die Analyse eines deutschen Klassikers anschaut, wird einem schnell klar: auch hier herrscht Interaktivität der grauen Zellen. Auch hier gibt es Interpretationsfreiraum. Warum? Weil jeder Mensch anders ist.

Und Computerspiele können so viel mehr als ihnen in der öffentlichen Diskussion zugestanden wird.
Vielen Dank für deinen Beitrag, Matthias!
Der erste gelesene Artikel hier... :) Und der ist richtig gut. Vor einiger Zeit schon habe ich mal eine Diskussionssendung der öffentlich-rechtlichen gesehen, in denen Fabian Siegismund (glaube ich) s...See more
Matthias Admin
Dec 29 '17
@Tintentupf: Vielen Dank für dein Feedback. Dass die Interaktion des Mediums ein Faktor gegen (!) die Bezeichnung als Kulturgut dient, ist mir tatsächlich neu. Ich stimme dir aber zu, jeder fühlt und empfindet Kultur anders. Ein Bild kann mich zB traurig oder nachdenklich machen... oder Musik macht mir Mut oder entspannt mich. Das Thema bleibt spannend!@Tintentupf: Vielen Dank für dein Feedback. Dass die Interaktion des Mediums ein Faktor gegen (!) die Bezeichnung als Kulturgut dient, ist mir tatsächlich neu. Ich stimme dir aber zu, jeder fühlt und ...See more
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